Johanniskrautöl selber machen: So gelingt dein Rotöl
Ein Sommerjuwel für die dunkle Vata-Zeit
Wenn im Hochsommer die gelben Blüten des Johanniskrauts an den Wegrändern leuchten, beginnt die beste Zeit für eines der schönsten Hausmittel überhaupt: Rotöl. Aus ein paar Händen voll Blüten und gutem Pflanzenöl entsteht in wenigen Wochen ein tiefrotes Öl, das dich durch die dunkle Jahreszeit begleitet. In diesem Beitrag erfährst du, wie du Johanniskrautöl selber machen kannst, wie lange es ziehen muss, woran du gute Qualität erkennst und wie das Öl aus Sicht des Ayurveda wirkt.
Was ist Rotöl?
Rotöl ist der traditionelle Name für Johanniskrautöl. Es entsteht, wenn frische Blüten des Echten Johanniskrauts (Hypericum perforatum) über mehrere Wochen in einem Pflanzenöl ziehen. Dabei löst das Öl die Inhaltsstoffe aus den Blüten, allen voran den roten Farbstoff Hypericin. Er färbt das anfangs goldgelbe Öl nach und nach rubinrot und gibt dem Öl seinen Namen.
Seinen deutschen Namen verdankt das Johanniskraut dem Johannistag am 24. Juni, der mitten in seine Blütezeit fällt. Die Pflanze blüht von Juni bis August und wächst gern an sonnigen Wegrändern, auf ungedüngten Wiesen und an Waldrändern. Wer im Sommer mit offenen Augen spazieren geht, findet sie fast überall in der Schweiz.
Echtes Johanniskraut sicher erkennen
Bevor du sammelst, lohnt sich ein genauer Blick, denn es gibt mehrere ähnliche Arten. Das Echte Johanniskraut verrät sich durch zwei einfache Merkmale:
- Durchscheinende Punkte: Halte ein Blatt gegen das Licht. Du siehst viele kleine helle Punkte, als wäre das Blatt durchlöchert. Das sind Öldrüsen, auf sie verweist der Name «perforatum».
- Rote Finger: Zerreibst du eine Blüte zwischen den Fingern, färben sie sich rötlich violett. Das ist das Hypericin, das später auch dein Öl rot macht.
- Zwei Längskanten am Stängel: Der Stängel ist rund und trägt zwei feine Leisten. So unterscheidest du das Echte Johanniskraut vom Geflügelten Johanniskraut mit vierkantigem Stängel.
Sammle nur dort, wo die Pflanzen nicht gespritzt werden und nicht direkt an viel befahrenen Strassen stehen. Pflücke an einem sonnigen Vormittag, sobald der Tau getrocknet ist. Nimm von jedem Bestand nur einen Teil, damit sich die Pflanze erholen kann.
Johanniskrautöl selber machen: die Zutaten
- frische, voll aufgeblühte Johanniskrautblüten mit Knospen (eine bis zwei Hände voll)
- ein mildes, hochwertiges Pflanzenöl, zum Beispiel Olivenöl, Sonnenblumenöl, Mandelöl oder Jojobaöl
- ein sauberes, gut verschliessbares Glas
- ein feines Tuch oder ein Kaffeefilter zum Abseihen
- dunkle Glasflaschen zum Aufbewahren
Olivenöl ist der Klassiker, weil es lange haltbar ist und die Inhaltsstoffe gut aufnimmt. Mandel- und Jojobaöl ziehen leichter in die Haut ein und eignen sich gut für Massagen. Aus ayurvedischer Sicht ist Sesamöl eine wärmende Alternative, die besonders gut zu Vata passt.
Rotöl herstellen: Schritt für Schritt
- Blüten vorbereiten: Zupfe die Blüten und Knospen von den Stängeln. Ein paar Blätter dürfen dabei sein. Lass die Blüten zwei bis drei Stunden auf einem Tuch im Schatten anwelken. So verdunstet etwas Feuchtigkeit und das Öl schimmelt weniger leicht.
- Glas füllen: Gib die Blüten locker in das Glas, bis es etwa zu zwei Dritteln gefüllt ist. Drücke sie nicht fest zusammen.
- Mit Öl bedecken: Giesse das Öl darüber, bis alle Blüten vollständig bedeckt sind. Was aus dem Öl ragt, kann schimmeln. Rühre einmal mit einem sauberen Holzstab um, damit Luftblasen entweichen.
- An die Sonne stellen: Verschliesse das Glas und stelle es an einen hellen, warmen Ort, zum Beispiel auf ein sonniges Fensterbrett. Wärme und Licht helfen, dass das Öl seine rote Farbe entwickelt.
- Regelmässig schütteln: Schüttle das Glas alle ein bis zwei Tage sanft. Bildet sich am Deckel Kondenswasser, wische es mit einem sauberen Tuch ab.
- Abseihen: Wenn das Öl tiefrot ist, giesst du es durch ein feines Tuch oder einen Filter. Drücke die Blütenreste gut aus, darin steckt noch viel Öl.
- Abfüllen: Fülle das fertige Rotöl in dunkle Flaschen, beschrifte sie mit Datum und Ölsorte und lagere sie kühl und dunkel.
Häufige Fehler beim Ansetzen
Die meisten Probleme mit selbst gemachtem Rotöl haben einfache Ursachen und lassen sich leicht vermeiden:
- Zu nasse Blüten: Wer direkt nach dem Regen oder am frühen Morgen sammelt, bringt viel Wasser ins Glas. Das Öl wird trüb und kann schimmeln. Darum lohnt sich das Anwelken.
- Blüten ragen aus dem Öl: Alles, was mit Luft in Berührung kommt, kann verderben. Kontrolliere in den ersten Tagen, ob die Blüten bedeckt bleiben. Bei Bedarf giesst du etwas Öl nach.
- Zu wenig Licht: Im Schrank bleibt das Öl blass. Erst Sonne und Wärme bringen die typische rote Farbe hervor.
- Verwechselte Pflanze: Färben die zerriebenen Blüten deine Finger nicht rot, hast du vermutlich eine andere Johanniskraut-Art erwischt. Das Öl bleibt dann gelb.
Wie lange muss Johanniskrautöl ziehen?
Rechne mit vier bis sechs Wochen. Nach etwa zwei Wochen beginnt sich das Öl zu verfärben, die volle rubinrote Farbe erreicht es meist nach einem Monat in der Sonne. Die Farbe ist dein bester Gradmesser: Solange das Öl noch gelblich ist, darf es weiter ziehen. Ist es kräftig rot, kannst du es abseihen. Manche lassen das Öl auch bis zu acht Wochen stehen. Länger bringt kaum mehr Farbe, erhöht aber das Risiko, dass das Öl ranzig wird.
Gut gelagert hält Rotöl etwa ein Jahr. Riecht es unangenehm oder trübt es ein, gehört es nicht mehr auf die Haut. Am schönsten ist es, wenn du jeden Sommer frisches Öl ansetzt und so immer einen Vorrat für die kalten Monate hast.
Wirkung von Rotöl: was die Tradition sagt
Johanniskraut gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen Europas. Das Öl wird traditionell äusserlich verwendet. Viele schätzen es zur Pflege von trockener und rauer Haut, für Massagen bei verspannten Muskeln und nach kleinen Stössen und Prellungen. Seine sanfte Wärme macht es zu einem beliebten Begleiter in der dunklen Jahreszeit, wenn Körper und Gemüt sich nach Licht sehnen.
Die innere Anwendung von Johanniskraut, etwa als Tee oder in Präparaten, ist ein eigenes Thema. Sie kann die Wirkung anderer Medikamente verändern und gehört deshalb in ärztliche Begleitung. Das Rotöl in diesem Beitrag ist ausschliesslich für die äussere Anwendung gedacht.
Johanniskraut im Ayurveda
Im Ayurveda wird Johanniskraut nach seinen Geschmacksrichtungen eingeordnet: Es schmeckt bitter (tikta) und herb (kashaya). Seine Grundeigenschaft gilt als schwer und nährend. Die Tradition beschreibt es als ausgleichend auf Gewebe und Gemüt und setzt es gern in der Übergangszeit vom Herbst in den Winter ein.
Diese Jahreszeit steht im Zeichen von Vata, dem Dosha aus Luft und Raum. Wenn es kalt, trocken und windig wird, neigen viele Menschen zu trockener Haut, Unruhe und kalten Händen und Füssen. Hier setzt die ayurvedische Ölmassage an. Warmes Öl wirkt Vata entgegen: Es nährt, wärmt und erdet. Johanniskrautöl bringt dazu die Kraft der Sommersonne in die dunklen Monate. Darum nennen wir es gern ein Sommerjuwel für die Vata-Zeit.
Rotöl anwenden: so nutzt du es im Alltag
- Selbstmassage: Wärme das Öl im Wasserbad leicht an und massiere es am Abend in Nacken, Schultern und Füsse ein. Lass es eine Weile einwirken, bevor du duschst.
- Bei Verspannungen: Reibe verspannte Stellen nach dem Yoga oder nach einem langen Tag am Schreibtisch mit ein paar Tropfen ein.
- Für trockene Haut: Ein paar Tropfen auf Ellenbogen, Knie oder raue Hände geben Geschmeidigkeit zurück.
- Für Narben: Ist eine Narbe vollständig verheilt, massieren manche sie regelmässig mit Rotöl ein, um die Haut weich zu halten.
Wichtig: Rotöl und Sonne
Johanniskraut macht die Haut lichtempfindlicher. Setze die eingeölten Stellen darum nach dem Auftragen nicht der direkten Sonne oder dem Solarium aus, sonst können Rötungen und Pigmentflecken entstehen. Verwende Rotöl am besten am Abend oder unter der Kleidung. Teste das Öl vor dem ersten grossflächigen Einsatz an einer kleinen Hautstelle. Bei offenen Wunden, Hautkrankheiten, in der Schwangerschaft oder wenn du regelmässig Medikamente nimmst, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Ayurveda im Alltag vertiefen
Rotöl ist ein schönes Beispiel dafür, wie einfach sich ayurvedisches Wissen in den Alltag holen lässt: ein paar Blüten, gutes Öl, etwas Geduld und ein bewusster Moment der Selbstfürsorge am Abend. Wenn du tiefer in diese Zusammenhänge eintauchen möchtest, findest du in unserer Weiterbildung Light on Ayurveda einen guten Einstieg. Wer Ayurveda fundiert lernen will, kann mit der 160h Ayurveda Ausbildung online weitergehen.
Häufige Fragen zu Johanniskrautöl
Rechne mit vier bis sechs Wochen an einem hellen, warmen Ort. Ist das Öl kräftig rubinrot, kannst du es abseihen. Solange es noch gelblich ist, darf es weiter ziehen.
Meist fehlen Wärme und Licht oder es wurden zu wenige Blüten verwendet. Stelle das Glas an einen sonnigeren Platz und prüfe, ob du Echtes Johanniskraut gesammelt hast: Nur seine Blüten färben die Finger beim Zerreiben rot.
Für Rotöl eignen sich frische Blüten am besten, weil sie den roten Farbstoff Hypericin enthalten. Lass sie vor dem Ansetzen zwei bis drei Stunden anwelken, damit weniger Feuchtigkeit ins Öl gelangt.
Olivenöl ist der Klassiker und lange haltbar. Mandel- und Jojobaöl ziehen leicht ein und passen gut für Massagen. Im Ayurveda wird gern wärmendes Sesamöl verwendet.
Kühl und dunkel gelagert hält Rotöl etwa ein Jahr. Riecht es ranzig oder wird es trüb, solltest du es nicht mehr verwenden.
Nein. Johanniskraut macht die Haut lichtempfindlicher. Setze eingeölte Stellen nicht der direkten Sonne oder dem Solarium aus und verwende das Öl am besten am Abend.